Wir sind mit der Region, den Menschen und auch dem Obst hier verbunden. Unsere Geschichte ist Teil von uns – und das Fundament, auf dem wir weiterbauen.
1. Generation | 1906 bis 1930 | Walter Kobelt
1906 gründet Walter Kobelt die Mosterei in Marbach. Der Betrieb beginnt mit Süssmost und vergorenem Saft – Produkten, die eng mit dem ländlichen Alltag des Rheintals verbunden sind. Die Annahme der Äpfel findet noch auf dem Dorfplatz statt, verarbeitet wird mit einer einfachen Korbpresse, Erfahrung aus der Landwirtschaft und viel Handarbeit. In Marbach gab es zu dieser Zeit sieben Obstpressen dieser Bauart. Eine steht heute noch im Museum Oberes Bad.
1919 kommt die erste Brennerei hinzu. Gebrannt werden klassische Obstbrände und Obsttrester – Sorten, die gut zu den lokalen Rohwaren und zur damaligen Trinkkultur passen. Vertrieben werden die Produkte im und ums Dorf. Die Nachbarn werden im Herbst mit Saft ab Presse in Rückenbutten bedient.
2. Generation | 1930 bis 1954 | Theodor & Ernst Kobelt
1930 übernehmen die Brüder Theodor und Ernst Kobelt den Betrieb ihres Vaters. Mit dem ersten Lastwagen – dem „Fargo“ – wird die Logistik flexibler und die Mosterei beliefert auch Kundschaft in Davos: Der Saft wird in Fässern abgefüllt, in Rebstein auf Eisenbahnwagen verladen und mit SBB und RhB nach Davos transportiert. Zusätzlich wird der Fargo voll mit Fässern beladen, die Kobelt-Mannschaft fährt damit nach Davos und verteilt die Fässer dort an die Kunden. Für diese Zeit ein erstaunlich weiter Vertriebsweg, der zeigt, wie früh die Mosterei auch ausserhalb der Region tätig war.
Das Sortiment bleibt in dieser Zeit weitgehend konstant: Süssmost, Fassware (vergorener Saft) und klassische Obstbrände. Während des Zweiten Weltkrieges ist der Absatz gross – Bier ist knapp, da Gerste vermehrt für Brot und Grundversorgung benötigt wird. Most wird vielerorts zum Alltagsgetränk.
1949 wird der Betrieb erweitert: Neue Silos für Äpfel und Birnen sowie eine hydraulische Zwillingspresse ermöglichen grössere Mengen und stabilere Verarbeitung. Der Fokus liegt weiterhin auf dem, was man gut kennt: regionale Rohware und handwerkliche Verarbeitung.
3. Generation | 1954 bis 1985 | Willy Kobelt
1954 übernimmt Willy – im Dorf als „de lang Willi“ bekannt – die Mosterei von seinem Vater Theodor. Ein grosser Teil des Saftes wird weiterhin in Fässern ausgeliefert, doch mit den 1960er-Jahren verschiebt sich der Schwerpunkt zunehmend zur Flaschenabfüllung. In den 1960er-Jahren entsteht auch «Komo», das erste Fruchtsaftgetränk der Mosterei, das bis heute im Sortiment ist. In der Brennerei bleiben Obsttrester und klassische Obstbrände massgebend; ab den 1960er- bis 1980er-Jahren gewinnt Traubentrester an Bedeutung, sowohl bei den Eigenprodukten als auch in der weiterhin wichtigen Lohnbrennerei.
Zwischen 1968 und 1976 wird technisch ausgebaut: Die 50’000-Liter-Lagertanks sowie eine neue Horizontalpresse werden installiert – Anlagen, die teilweise bis heute genutzt werden. 1982 wird die Brennerei und die Dampfanlage erneuert. Marktseitig wird die Konkurrenz durch Limonaden und internationale Getränke grösser, dennoch bleibt der Betrieb eng mit der Region verbunden und behält seine klare Ausrichtung auf Obstverarbeitung bei.
1985 übernimmt Willys jüngster Sohn Ruedi den Betrieb zusammen mit seiner Frau Karen. Unter ihrer Leitung modernisiert sich die Mosterei Schritt für Schritt: neue Abfüllanlagen, ein Pasteur und weitere technische Ergänzungen, basierend auf dem Verständnis, welche Prozesse der Qualität dienen. In der Brennerei wird das Sortiment um hochwertige Edelbrände erweitert – ein entscheidender Schritt weg von einfachen Tresterbränden hin zu klar positionierten Destillaten.
Mitte der 1990er bringt Ruedi die ersten Cider ins Sortiment, den «Bartlis». Alle wissen, wo er den Most holt. Als einer der ersten Mostereibetriebe in der Schweiz führt er Apfelschorle ein. Im Sommer 2005 folgt der «Saft vom Fass alkoholfrei», als Antwort auf die Senkung der Promillegrenze.
Der Markt verändert sich stark: In den 1980er- und 90er-Jahren dominieren Cola, Limonaden und internationale Getränkemarken – für viele Mostereien eine schwierige Phase. Mit den 2000er-Jahren wächst jedoch das Interesse an regionalen Produkten und Direktsäften wieder. 2016 wurde der Verkaufsladen im ehemaligen Büro eröffnet. Weitere wichtige Meilensteine sind der Bau der 30-Tonnen-Brückenwaage (1991) und der Rekordherbst 2018 mit über 2’000 Tonnen Obst.
5. Generation | seit 2024 | Geoffrey & Jennifer Kobelt
Geoffrey Kobelt prägt die Mosterei bereits vor seiner Lehrzeit stark mit und arbeitet schon früh an der Seite seines Vaters im Betrieb. Jennifer sammelt einige Jahre in anderen Branchen Erfahrung und stösst später wieder zum Familienbetrieb.
2024 übernehmen die Geschwister Geoffrey und Jennifer offiziell die Führung. Der Schwerpunkt verschiebt sich auf raffinierte sowie alkoholfreie Produkte. Die Edelbrände bleiben bestehen – ein breites Sortiment an ausgewählten Sorten in kleiner Auflage für den bewussten Genuss.
Technisch wird der Betrieb mit drei wichtigen Investitionen weiterentwickelt: 2020 durch eine ressourcenschonende Flaschen- und Harassenwaschmaschine und 2023 durch den Multibloc-Füller für Glas, PET und Dosen, der sowohl Eigenproduktion als auch Lohnabfüllungen flexibler gestaltet. 2025 wird die Brennerei ersetzt und es erscheint zudem ein 10-jähriger Whiskey – ein Zeichen dafür, dass die Brenntradition weiterlebt, wenn man sie versteht und langfristig pflegt.
Die Mosterei bleibt ein kleiner, eigenständiger Betrieb, der tief in der Region verwurzelt ist und sein Handwerk weiterentwickelt, ohne die Grundlage zu verlieren: ein klares Verständnis der Materie und ein respektvoller Umgang mit dem, was die Natur liefert.